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Senioren-Freizeit-Service Wittke

Hilfe, wo ist magnus? vermisstensuche:

Die meisten wissen es ja schon: Magnus ist wieder zu Hause. Nachdem seither über zwei Monate vergangen sind, habe ich endlich alle Geschehnisse zusammengetragen und aufgezeichnet. Hier nun die vollständige, spannende, mich immer noch zu Tränen rührende und vor allem wahre Geschichte der Abenteuerreise der autistischen Brüder Magnus und Hans.

 

Zwei unzertrennliche Brüder hatten einen Traum. In Papas Uralt-Klapper-Mercedes fuhren sie einfach mal drauflos, um die Welt zu erobern - oder zumindest ein Stückchen davon.

 

Mit von Hand aufgepumpten schrottreifen Schrottreifen zuckelten sie also von Göteborg los. Soweit kein Problem, in Schweden fielen sie noch nicht so auf, da zumindest Hans ganz passabel zu parlieren weiß – zumindest in der Muttersprache. So schafften sie die vielleicht schwerste Hürde: die Fahrt mit der Fähre über die Ostsee.

 

Aber auch in Deutschland gab es keine großen Probleme. In so einem dichtbevölkerten Land mit 80 Millionen mehr oder weniger bekloppten Individuen (nicht aufregen, ich bin einer davon!) konnten sie sich immer irgendwie durchmogeln. Ein paar eingetauschte Euros sorgten dafür, daß sie nicht am Hungertuch nagen mußten, und Bulettenbrötchen einer bekannten Burger-Braterei sowie eine nicht minder populäre koffeinhaltige Brause heißen auch auf schwedisch - na, wie wohl?

 

Und so schafften sie es bis zu den südlichen Nachbarn der Piefkes, nach Felix Austria. Um genau zu sein: ins wunderschöne Kärntner Land. Doch da kam die Polizei, ja was ist denn das? Nein, nicht die drei Chinesen aus dem Kinderlied, sondern zwei Schweden - ohne Kontrabaß. Und weil Papas oller Merzer schon wie durch ein Wunder am deutschen TüV vorbeigeknattert war und die Polizei keinen Sinn für einen zünftigen Roadmovie nach klassischer schwedischer Kinokunst hatte, war in Klagenfurt am wunderschönen Wörthersee Endstation. Dort, wo einst Roy Black ein Schloßhotel geerbt hatte, aber wenigstens nicht hinter - in diesem Fall - österreichischen Gardinen.

 

Der weitere Verlauf dieses Bubenstücks liegt nun etwas im Dunkeln. Klar ist nur, daß die Alpen-Polizei der Meinung war, man könne zwei mittlerweile schon etwas verlotterte Autisten ohne Sprachkenntnisse 1.500 km von zu Hause entfernt einfach sich selbst überlassen. Jedenfalls schaffte Hans es irgendwie in die alte Hansestadt an der Ostsee, ins schöne Lübeck. Dort griff man ihn erneut auf und wußte sich nicht anders zu helfen, als ihn ein paar Tage an dem Ort logieren zu lassen, für den die ganze Stadt noch im Vorjahr wie ein waidwunder Wolf gekämpft hatte. Nämlich an der medizinischen Uni, deren psychiatrisches Personal ihn verständnis- und liebevoll als Gast aufnahm und sich Gedanken machte, wie man Hans im Unglück sicher wieder nach Hause ins immer noch ferne Göteborg zurückbekäme. Daß er ausgerechnet in der geschlossenen Abteilung gelandet war, lag allerdings nur daran, daß man durchaus berechtigterweise Angst hatte, er könnte sich abermals allein auf die Socken machen (was auch den Tatsachen entsprochen hätte, da mittlerweile seine Schuhe verschütt gegangen waren).

 

Hier kam ich ins Spiel. Ein paar Telefonate und E-Mails im Dreieck Uniklinik, Göteborg und meinem Schreibtisch später saßen wir also zunächst auf dem Flur der Station 5, um uns näher kennenzulernen. Zwei Tage Intensivkurs Schwedisch im Internet hatten sich ausgezahlt. Das Personal gab mir noch einige wertvolle Tipps und nahm mir jegliche Sorgen, mein immer noch etwas mysteriöser Begleiter könnte eventuell irgendwelche Spirenzchen machen. Ein paar Tage später saßen wir also wieder – diesmal im Bordrestaurant der Fähre zurück nach Schweden. Dabei hatten seine Betreuerin und der Arzt in der Uniklinik mich vorgewarnt, er würde am liebsten im Stehen essen und sich von großen Menschenmassen fernhalten. Dennoch zeigte mir Hans, daß er durchaus zu einigem Sozialverhalten fähig war. Völlig selbstverständlich ging er immer wieder zum Buffet, um sich kiloweise Köttbullar mit Kartoffelpüree einzuverleiben. Dies war seine Form der rückwirkenden Kritik am Krankenhausessen der Klinik. Sein Kommentar dazu: „Die Krankenpfleger waren so nett, da wollte ich nichts sagen.“

Ohne weitere Elchtests überstehen zu müssen, trafen wir nach entspannter Fahrt über die Ostsee sowie die schwedische Autobahn kurz vor Malmö auf zwei Betreuer, die sehnsüchtig und stilecht im Volvo Kombi an der Autobahnausfahrt auf uns warteten. Doch bevor Hans seine europäische Odyssee beendete, zeigte er mir noch ein Zeichen seiner Zuneigung, indem er sich weigerte, ohne mich weiterzufahren. Selbst das zärtlichste Zureden zwang ihn nicht zum Umdenken. Erst die Verabschiedung des neuen Freundes, also mir, sowie die Finte der Androhung eines weiteren Auftretens der Polizei zwangen den Aufständischen Globetrotter zärtlich zur zähneknirschenden Aufgabe.

 

Ein Fremder war in Lübeck zu mir in meine rumänische Familienkutsche gestiegen, doch von einem Freund habe ich mich an diesem lauen schwedischen Mittsommerabend verabschiedet.

Um dieser bis hierher rührenden und spannenden, aber im Gegensatz zu Pippi Langstrumpf wahren Geschichte der abenteuerlustigen schwedischen Brüder das verdiente Happy End zu geben, brauchten wir nun jede erdenkliche Hilfe, um auch Magnus wiederzufinden . Denn seit die beiden sich am Klagenfurter Bahnhof aus den Augen verloren hatten, wuchs die Angst um ihn mit jedem neuen Morgen. Wo konnte er nur stecken? Wie konnte er sich versorgen, dieser stark autistische, kräftige und große Mann? Dieser schnauzbärtige schwedische Hüne mit seinen eher abschreckenden Angewohnheiten? Der allen Blicken von Fremden ausweicht, auf Ansprache nicht antwortet?  Der sich in Menschenmengen ständig wie ein Verfolgter panisch umsieht? Wo würde er nachts oder bei schlechtem Wetter Unterschlupf finden? Noch nie im Leben hatte ich mich so um einen Unbekannten gesorgt.

 

Doch nach zwei weiteren verzweifelten Tagen - insgesamt war Magnus mittlerweile seit über einer Woche verschollen - ging mir endlich ein Licht auf. Sollte dieses soziale Netzwerk des Mark Zuckerberg doch endlich mal zu etwas nützlich sein? So bastelte ich also fieberhaft eine Facebook-Seite zusammen: „Hilfe, wo ist Magnus?“ Es war ein verzweifelter Versuch, den Vermissten doch noch zu finden – und er verbreitete sich mit rasender viraler Geschwindigkeit. Über 1.000 Likes in nur zwei Tagen und massenhafte Postings in allen möglichen Gruppen in Klagenfurt und Kärnten machten uns neue Hoffnung, Magnus gesund aufzustöbern. Irgendjemand mußte ihn doch irgendwo gesehen haben? Doch dann kam die nächste Wendung in der Geschichte.

 

Der in der Hauptstadt der Republik Österreich residierende oberste Repräsentant des Königreichs Schweden hatte von den Nöten des umherirrenden Untertans erfahren und unterrichtete umgehend seine Konsulin, die zufällig im kärntnerischen Klagenfurt ansässig ist. Kurzerhand machte sie sich auf Geheiß des Wiener Botschafters auf den Weg zum Bahnhof, um sich über die örtlichen Gegebenheiten kundig zu machen und vielleicht sogar eine heiße Spur des Gesuchten zu finden. Doch diese fand sie nicht, sondern stattdessen? Richtig! Magnus höchstpersönlich saß gegenüber des Bahnhofes auf einer Bank und hatte beim Eintreffen seiner Landsmännin nur zwei Sorgen: „Wo ist Hans? Und wo ist Papas Auto?“ Der vermißte Vagabund war wieder da! Schnell verbreitete sich die Kunde nach Wien, Göteborg und nicht zuletzt auch Lübeck, wo man allerorts erleichtert aufatmete. Endlich! Und so starteten gleichzeitig ein Taxi in Klagenfurt und ein Flugzeug in Stockholm, damit sich ihre Passagiere zum gemeinsamen Rückflug in die ferne Heimat wiedersehen konnten. Vorher aber durfte Magnus auf Einladung des Botschafters in dessen Wiener Villa das Gefühl genießen, nach etlichen Wochen endlich wieder in einem anständigen Bett zu schlafen. Ob es am abendlichen Buffet ebenfalls Köttbullar gab, wie bei Hans auf dem Schiff im Glück, ist nicht überliefert. Es bedarf aber keiner besonders lebhaften Phantasie, um sich das vorzustellen.

 

Und so startete am nächsten Tag am Wiener Flughafen eine Maschine Richtung Schweden, mit Magnus und einer mehr als erleichterten Betreuerin an Bord. Die abenteuerliche Reise von Magnus und Hans hatte ein glückliches Ende gefunden und das Leben eine aufregende Geschichte geschrieben, bei der jeder Drehbuchautor ungläubig den Kopf geschüttelt hätte...

 

Ich danke allen, die sich der Facebook-Gruppe „Hilfe, wo ist Magnus?“ angeschlossen und zu ihrer Verbreitung beigetragen haben. Besonders danke ich aber Magnus Betreuerin , die mir die notwendigen Infos und Daten zur Verfügung gestellt hat, sowie der schwedischen Konsulin in Klagenfurt, die Magnus letzten Endes aufgestöbert hat. Und ich danke  Hans dafür, daß ich sein schönes Schweden zum ersten Mal sehen durfte und dafür, daß an nur einem gemeinsamen Tag eine besondere Beziehung entstanden ist, die ich nicht vergessen werde.

Bahnhof Klagenfurt (Foto: ÖBB)

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